Frauen sind immer just in time

Das Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann in der Stadt Zürich veröffentlichte im April 2001 eine Analyse von Teilzeitjobs im Niedriglohnbereich in 7 Zürcher Firmen. Im Niedriglohnbereich bewegen sich die Löhne für Vollzeitstellen am Existenzminimum und die Angestellten müssen stets «zwischen Zeitsouveränität und Einkommenssicherheit jonglieren». Das Gleichstellungsbüro unterbreitet Vorschläge, damit Frauen nicht noch flexibler sein müssen.

Im Niedriglohnbereich leiden die Angestellten zunehmend unter dem Druck von Flexibilisierung und Deregulierung. Gerade die zahlreichen Frauen, die in Teilzeitjobs die Familienbetreuung und Erwerbstätigkeit unter ein Hut bringen müssen, wird das Leben mit der Flexibilisierung nach dem Willen der Chefs immer schwerer gemacht. Das Gleichstellungsbüro der Stadt Zürich hat deshalb die Situation in sieben Firmen aus dem Bereich Gastgewerbe, Reinigung und Verkauf untersucht und kommt zum Schluss, damit die Flexibilisierung positiv und im Sinne der Gleichstellung zwischen den Geschlechtern ausgestaltet werden kann, «müssen die Grundbedürfnisse der Beschäftigten respektiert werden». Das Gleichstellungsbüro verlangt deshalb, dass die Angestellten die Gestaltung der Arbeitszeiten mitbestimmen können, ein Vetorecht bei Überstunden haben und mindestens eine Woche vorher den Betroffenen die Arbeitspensen bekannt sind. Die Untersuchung weist auch auf andere Probleme der flexiblen Jobs hin. «Im Niedriglohnbereich in einem flexiblen Arbeitsverhältnis zu stehen, bedeutet in der Regel, sich einem geringen Verdienst bei hoher Einsatzbereitschaft ohne längerfristige berufliche Perspektiven einzuhandeln.(…) Die Gefahr für die Frauen liegt auf der Hand: Für sie - weit weniger für die Männer - können diese Jobs zur beruflichen Sackgasse werden.» Damit die flexible Teilzeitarbeit nicht Frauen diskriminiert, müssen Teilzeitbeschäftigte auch Einkommen unter dem Koordinationsabzug bei der Pensionskasse versichert werden und trotzdem alle Sozialleistungen wie Krankentaggelder, Mutterschaftsurlaub, etc. beziehen können. Auch sollen die Betriebe Weiterbildungsmöglichkeiten auch für Teilzeitbeschäftigte anbieten.

Flexibel für wen?
Das Problem bei der Flexibilisierung liegt bei unterschiedlichen Interessen der Unternehmer und Angestellten. Die Gleichstellungsbüro schreibt dies deutlich: «Seitens der Betriebe liegt das Interesse an einer flexiblen Gestaltung von Arbeitseinsätzen primär in der Gewährleistung eines jederzeit optimalen, den Kundschaftsfrequenzen und Auslastungsbedürfnissen angepassten Personalbestandes. (…) Für die Beschäftigten steht hingegen die Optimierung von Zeitsouveränität und Einkommenssicherheit im Vordergrund.» Die Untersuchung des Gleichstellungsbüro zeigt einmal mehr auf, dass es eindeutige Schutzmechanismen für die Angestellten braucht. Dies ist um so wichtiger für diejenigen Frauen, die durch die Zweitbelastung Hausarbeit und überlange Arbeitszeiten gezwungen sind, in Teilzeitjobs auszuweichen, um beides verbinden zu können. Was in der Untersuchung auch deutlich wird, auch wenn die Autorinnen nicht ausdrücklich darauf hinweisen, ist, dass kürzere Arbeitszeiten von Männern nicht automatisch bedeutet, dass sie mehr unbezahlte Hausarbeit übernehmen. Sogar wenn Männer die Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich (Teilzeitarbeit) wählen, dann nutzen sie die freie Zeit eher für das Spiel am Computer oder zum Fischen, als zum Abwaschen oder Kinderwickeln. Die Arbeitszeitverkürzung allein bewirkt noch keine Veränderung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung.

U.D. (erschien im Vorwärts März 02)